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Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis

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li820205 [2019/03/04 14:40]
sos [Das Kanada-Modell für die Schweiz?]
li820205 [2019/05/07 14:05] (aktuell)
sos [Das Kanada-Modell für die Schweiz?]
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-====== USA / Kanada: Legal kiffen in den Ferien ======+====== USA/Kanada: Legal kiffen in den Ferien ======
  
-==== Seattle / USA, 11. September 2018 ====+===== Seattle/​USA,​ 11. September 2018 =====
    
 Kein Witz, gerade jetzt als ich diese Zeilen schreibe, ist es 4:20 Uhr Schweizer Zeit. Neben mir liegt eine Tafel schwarze Schokolade,​ garantiert frei von genmanipulierten Inhaltsstoffen,​ die 10 Milligramm THC und 10 Milligramm CBD enthält. Gekauft habe ich das Produkt ganz legal für 7 Dollar in einer Dispensary im Herzen Seattles. Unter Dispensary ist dann auch ein Cannabis-Fachgeschäft zu verstehen, ähnlich unserer Hanfshops, die THC-haltige Produkte verkaufen dürfen. Kein Witz, gerade jetzt als ich diese Zeilen schreibe, ist es 4:20 Uhr Schweizer Zeit. Neben mir liegt eine Tafel schwarze Schokolade,​ garantiert frei von genmanipulierten Inhaltsstoffen,​ die 10 Milligramm THC und 10 Milligramm CBD enthält. Gekauft habe ich das Produkt ganz legal für 7 Dollar in einer Dispensary im Herzen Seattles. Unter Dispensary ist dann auch ein Cannabis-Fachgeschäft zu verstehen, ähnlich unserer Hanfshops, die THC-haltige Produkte verkaufen dürfen.
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 Viel Zeit hatte ich nicht, und so musste es auch bei nur einem Besuch einer Dispensary bleiben. Meine Wahl fiel auf ein Geschäft im altbekannten Look nahe dem Zentrum, dem Herban Legends. Der Einlass ist nur mit einem gültigen Ausweis möglich. Meine Schweizer Identitätskarte wurde ohne mit der Wimper zu zucken als ausreichend empfunden. Wie man es aus den Dokumenta­tionen kennt, ist die Produktpalette riesig – alleine das Online-Menü umfasst schon meh­rere hundert Artikel. ​ Viel Zeit hatte ich nicht, und so musste es auch bei nur einem Besuch einer Dispensary bleiben. Meine Wahl fiel auf ein Geschäft im altbekannten Look nahe dem Zentrum, dem Herban Legends. Der Einlass ist nur mit einem gültigen Ausweis möglich. Meine Schweizer Identitätskarte wurde ohne mit der Wimper zu zucken als ausreichend empfunden. Wie man es aus den Dokumenta­tionen kennt, ist die Produktpalette riesig – alleine das Online-Menü umfasst schon meh­rere hundert Artikel. ​
  
-Normalerweise verdampfe ich Blüten in ei­nem Vaporizer. Zwar ist das Mitführen eines solchen Geräts keine Straftat, macht die Sache an der Grenzkontrolle aber nicht unbedingt einfacher. Da ich diesbezüglich sowieso oft die schlechte Karte ziehe, ersparte ich mir diese Herausforderung und liess das Gerät zu Hause. Ein klassischer Joint wäre eine Alternative gewesen, doch unterliess ich dies aus den bereits genannten Gründen. Blieb also noch der Verzehr von Edibles, also Esswaren, die mit THC oder CBD angereichert sind. Es ist bekannt, dass die Dosierung solcher Produkte nicht ganz einfach ist. Entsprechend recherchierte ich erstmal, was denn eine gute Dosis für den Anfang wäre. Geraten wird, dass man mit Produkten beginnt,​ die einen hohen CBD-Anteil aufweisen. Da CBD antipsychotische Eigenschaften ​aufweist¹, wird den allfällig unangenehmen Effekten des THC vorgebeugt. Auch soll eine Konsumeinheit nicht mehr als 10 Milligramm THC beinhalten. Zwischen jeder Konsumeinheit soll man mindestens eine Stunde warten.+Normalerweise verdampfe ich Blüten in ei­nem Vaporizer. Zwar ist das Mitführen eines solchen Geräts keine Straftat, macht die Sache an der Grenzkontrolle aber nicht unbedingt einfacher. Da ich diesbezüglich sowieso oft die schlechte Karte ziehe, ersparte ich mir diese Herausforderung und liess das Gerät zu Hause. Ein klassischer Joint wäre eine Alternative gewesen, doch unterliess ich dies aus den bereits genannten Gründen. Blieb also noch der Verzehr von Edibles, also Esswaren, die mit THC oder CBD angereichert sind. Es ist bekannt, dass die Dosierung solcher Produkte nicht ganz einfach ist. Entsprechend recherchierte ich erstmal, was denn eine gute Dosis für den Anfang wäre. Geraten wird, dass man mit Produkten beginnt,​ die einen hohen CBD-Anteil aufweisen. Da CBD antipsychotische Eigenschaften ​aufweist((A.W. Zuardi, J.A.S. Crippa, J.E.C. Hallak, F.A. Moreira and F.S. Guimarães (2006). Cannabidiol,​ a Cannabis sativa constituent,​ as an antipsychotic drug. Brazilian Journal of Medical and Biological Research,​ 39(4),​ 421-429. https://​dx.doi.org/​10.1590/​S0100-879X2006000400001)), wird den allfällig unangenehmen Effekten des THC vorgebeugt. Auch soll eine Konsumeinheit nicht mehr als 10 Milligramm THC beinhalten. Zwischen jeder Konsumeinheit soll man mindestens eine Stunde warten.
  
 Der Budtender in der Dispensary zeigte mir eine Schachtel Pfefferminzbonbons für 40 Dollar, à 10 Milligramm THC pro Stück sowie verschiedene Süssigkeiten,​ unter anderem eine Tafel schwarze Schokolade mit insgesamt 10 Milligramm THC. Ich entschied mich für die Schokolade, da diese leicht in kleinere Portionen teilbar war und mir auch noch gut schmeckte. Der Budtender in der Dispensary zeigte mir eine Schachtel Pfefferminzbonbons für 40 Dollar, à 10 Milligramm THC pro Stück sowie verschiedene Süssigkeiten,​ unter anderem eine Tafel schwarze Schokolade mit insgesamt 10 Milligramm THC. Ich entschied mich für die Schokolade, da diese leicht in kleinere Portionen teilbar war und mir auch noch gut schmeckte.
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 Abschliessend muss ich sagen, dass mir Seattle nicht wirklich gefallen hat. Die Leute sind zwar freundlich und sehr serviceorientiert,​ sie meinen aber halt auch, dass sie die besten der Welt sind. Insbesondere im Umgang mit Behörden tut man gut daran, seine Meinung für sich zu behalten, was mir persönlich halt sehr schwerfällt. Auffallend ist das soziale Elend, das ich so noch nie in einer westlichen Stadt beobachtet habe. Die Randständigen haben meist auch psychische Probleme und sind entsprechend aggressiv. Wünschenswert wäre auch, wenn mehr für die Umwelt getan würde. Meist gibt es Einweggeschirr und die Stadt ist halt einfach dreckig. Abschliessend muss ich sagen, dass mir Seattle nicht wirklich gefallen hat. Die Leute sind zwar freundlich und sehr serviceorientiert,​ sie meinen aber halt auch, dass sie die besten der Welt sind. Insbesondere im Umgang mit Behörden tut man gut daran, seine Meinung für sich zu behalten, was mir persönlich halt sehr schwerfällt. Auffallend ist das soziale Elend, das ich so noch nie in einer westlichen Stadt beobachtet habe. Die Randständigen haben meist auch psychische Probleme und sind entsprechend aggressiv. Wünschenswert wäre auch, wenn mehr für die Umwelt getan würde. Meist gibt es Einweggeschirr und die Stadt ist halt einfach dreckig.
  
-==== Kanada, ein kleines Paradies, 22. September 2018 ====+===== Kanada, ein kleines Paradies, 22. September 2018 =====
    
 Ich war wirklich froh, endlich kanadischen Boden unter den Füssen zu haben. Den Rest der Reise hatten wir in Victoria BC auf Vancouver Island geplant. Im Internet hatte ich im Voraus recherchiert,​ wie dort der Umgang mit Cannabis gehandhabt wird. Dispensaries gibt es hier laut Internet wie Sand am Meer. Dennoch, Kanada legalisiert offiziell erst Mitte Oktober, also erst einen Monat nach meiner Ankunft. Medizinisches Cannabis gäbe es laut dem Internet nur auf Rezept und die Informationen,​ die ich recherchiert hatte, waren teils sehr unterschiedlich – ich hatte also Fragen. Ich war wirklich froh, endlich kanadischen Boden unter den Füssen zu haben. Den Rest der Reise hatten wir in Victoria BC auf Vancouver Island geplant. Im Internet hatte ich im Voraus recherchiert,​ wie dort der Umgang mit Cannabis gehandhabt wird. Dispensaries gibt es hier laut Internet wie Sand am Meer. Dennoch, Kanada legalisiert offiziell erst Mitte Oktober, also erst einen Monat nach meiner Ankunft. Medizinisches Cannabis gäbe es laut dem Internet nur auf Rezept und die Informationen,​ die ich recherchiert hatte, waren teils sehr unterschiedlich – ich hatte also Fragen.
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 Nun schreibe ich diesen kleinen Reisebericht und morgen geht es wieder zurück in die Schweiz. Kanada ist wirklich eine Reise wert. Die Menschen hier sind sehr freundlich und serviceorientiert. Und die Natur ist schlicht paradiesisch,​ oft schon fast kitschig. Jeder Park ist sauber gepflegt und bietet für Wanderfreudige Möglichkeiten für stundenlange Wanderungen. Die Wildnis ist jedoch allgegenwärtig und wer sich etwas abseits bewegen will, sollte sich über den Umgang mit Wildtieren informieren,​ denn Bären, Pumas oder Wölfe sind keine Seltenheit. Mir persönlich hat es dieses Land sehr angetan und wenn sich die Gelegenheit bieten würde, länger hier zu verweilen, würde ich das wohl auch tun. Dass mir hier niemand vorschreibt,​ wie ich meinen Lebensstil zu pflegen habe, ist sicherlich ein Punkt. Nun schreibe ich diesen kleinen Reisebericht und morgen geht es wieder zurück in die Schweiz. Kanada ist wirklich eine Reise wert. Die Menschen hier sind sehr freundlich und serviceorientiert. Und die Natur ist schlicht paradiesisch,​ oft schon fast kitschig. Jeder Park ist sauber gepflegt und bietet für Wanderfreudige Möglichkeiten für stundenlange Wanderungen. Die Wildnis ist jedoch allgegenwärtig und wer sich etwas abseits bewegen will, sollte sich über den Umgang mit Wildtieren informieren,​ denn Bären, Pumas oder Wölfe sind keine Seltenheit. Mir persönlich hat es dieses Land sehr angetan und wenn sich die Gelegenheit bieten würde, länger hier zu verweilen, würde ich das wohl auch tun. Dass mir hier niemand vorschreibt,​ wie ich meinen Lebensstil zu pflegen habe, ist sicherlich ein Punkt.
  
-==== Das Kanada-Modell für die Schweiz? ====+===== Das Kanada-Modell für die Schweiz? ​=====
  
 Ich persönlich finde den kanadischen Umgang mit Cannabis, Alkohol und Tabak sehr gut. Niemandem wird vorgeschrieben,​ was er für sich privat zu tun und zu lassen hat. Es wird weder verharmlost noch verteufelt und auch nicht auf Abschreckung und Strafe gesetzt. Vielmehr werden die Märkte für Cannabis, Alkohol und Tabak in vielen Provinzen Kanadas konsequent ge­trennt. Im Supermarkt findet man weder Alkohol noch Tabak. Diese finden sich nur in Fachgeschäften. Über ein solches Vorgehen könnten wir durchaus auch in der Schweiz nachdenken. Bei uns bekommt man überall alles. Coop, Denner und Co. haben regelmässig harten Alkohol im Quängelregal,​ also dem Regal direkt vor der Kasse. Und hinter der Kassiererin verführt dann ein breites Angebot an Tabak. Es ist bequem, gleich noch Zigaretten zu kaufen – im Gegenzug würde der Gang in einen Fachladen wohl präventiv gesehen mehr bringen als abschreckende Horrorbilder auf Tabakprodukten. Ich persönlich finde den kanadischen Umgang mit Cannabis, Alkohol und Tabak sehr gut. Niemandem wird vorgeschrieben,​ was er für sich privat zu tun und zu lassen hat. Es wird weder verharmlost noch verteufelt und auch nicht auf Abschreckung und Strafe gesetzt. Vielmehr werden die Märkte für Cannabis, Alkohol und Tabak in vielen Provinzen Kanadas konsequent ge­trennt. Im Supermarkt findet man weder Alkohol noch Tabak. Diese finden sich nur in Fachgeschäften. Über ein solches Vorgehen könnten wir durchaus auch in der Schweiz nachdenken. Bei uns bekommt man überall alles. Coop, Denner und Co. haben regelmässig harten Alkohol im Quängelregal,​ also dem Regal direkt vor der Kasse. Und hinter der Kassiererin verführt dann ein breites Angebot an Tabak. Es ist bequem, gleich noch Zigaretten zu kaufen – im Gegenzug würde der Gang in einen Fachladen wohl präventiv gesehen mehr bringen als abschreckende Horrorbilder auf Tabakprodukten.
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 Der öffentliche Konsum von Cannabis,​ Alkohol und Tabak ist in Kanada meist verboten. Ich persönlich begrüsse das bis zu einem gewissen Grad. Dennoch könnte man das Ganze etwas aufweichen und den Konsum in grösseren Parkanlagen oder in der Natur draussen nicht einschränken. An Veranstaltungen gibt es in Kanada spezielle Raucherzonen. Der öffentliche Konsum von Cannabis,​ Alkohol und Tabak ist in Kanada meist verboten. Ich persönlich begrüsse das bis zu einem gewissen Grad. Dennoch könnte man das Ganze etwas aufweichen und den Konsum in grösseren Parkanlagen oder in der Natur draussen nicht einschränken. An Veranstaltungen gibt es in Kanada spezielle Raucherzonen.
  
-So weit, so gut. Doch eine weitere Schwierigkeit ist immer noch der Strassenverkehr – in Kanada können die meisten nicht ohne Au­to leben. Auch scheint man dahingehend noch kein Patentrezept gefunden zu ha­ben. Die kanadischen Behörden planen in­des einen 12-Schritte-Test,​ um das Fahren unter Drogeneinfluss zu testen. Wer die Tests nicht besteht, muss zum Bluttest antreten, welcher aber laut den Behörden auch nur bedingt die Fahrtüchtigkeit bewerten könne: «is not as strongly related to driver impairment as (blood alcohol content) is to alcohol-impaired driving.»² +So weit, so gut. Doch eine weitere Schwierigkeit ist immer noch der Strassenverkehr – in Kanada können die meisten nicht ohne Au­to leben. Auch scheint man dahingehend noch kein Patentrezept gefunden zu ha­ben. Die kanadischen Behörden planen in­des einen 12-Schritte-Test,​ um das Fahren unter Drogeneinfluss zu testen. Wer die Tests nicht besteht, muss zum Bluttest antreten, welcher aber laut den Behörden auch nur bedingt die Fahrtüchtigkeit bewerten könne: «is not as strongly related to driver impairment as (blood alcohol content) is to alcohol-impaired driving.» ((CTV News, 30.6.2018, How Police are preparing to catch drivers under the influence of cannabis: http://​ctv.news/​a1mE4Hl))
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-¹ A.W. Zuardi, J.A.S. Crippa, J.E.C. Hallak, F.A. Moreira and F.S. Guimarães ​(2006). Cannabidiol,​ a Cannabis sativa constituent,​ as an antipsychotic drug. Brazilian Journal of Medical and Biological Research,​ 39(4), 421-429.  +
-https://​dx.doi.org/​10.1590/​S0100-879X2006000400001 +
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-² CTV News, 30.6.2018, How Police are preparing to catch drivers under the influence of cannabis: http://​ctv.news/​a1mE4Hl +
  
li820205.1551706809.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/03/04 14:40 von sos