Verein Legalize it!

Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis

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Der Leidensweg von Bernard Rappaz, Teil 4

Wir bringen den vierten Teil von Ruths Chronologie über den Hungerstreik von Bernard Rappaz (BR) und den Aktivitäten rund um diese Affäre. Wer BR Fragen stellen möchte, kann uns gerne schreiben – wir werden diese weiterleiten.

26.06.11 Brief an Sandra: Gehe morgen nach Zürich, Mitgliederevent Legalize it! Bringe Teil 3, Der Leidensweg von Hanfbauer Barnard Rappaz.

26.06.11 Karte mit Hanfpflanze von BR: Guten Tag Ruth, danke vielmal für dein Paket. Kennst du internationale Petitionen? In Frankreich spricht man jetzt viel über die Legalisierung von Hanf. Eines Tages ist Hanf frei. Das ist klar. Die Frage ist: wann?

11.07.11 Brief an BR: Ja, es gibt internationalen Protest. Beilagen: Grow Magazin Juli/August 2011, Petition zur Beendigung des weltweiten Drogenkriegs. Und, im gleichen Heft: Global Marijuana March 2011. Hanf Journal Juni 2011: Der Hanftag ist gelaufen.

05.08.11 NZZ: Rappaz-Beschwerde gutgeheissen. BR muss die Kosten für seinen Hausarrest nicht selber bezahlen. Das Walliser Kantonsgericht hat seine Be­schwer­de gegen eine Rechnung über 44'000 Franken gutgeheissen, welche die Kantonsregierung ausgestellt hatte. Rappaz stand vom 21. Juli bis zum 26. August 2010 unter Hausarrest. Um ihn zu bewachen, musste Sicherheitspersonal eingesetzt werden, was unter anderem die hohen Kosten verursachte. Tages-Anzeiger: Affäre Rappaz – Rappaz muss Kosten für Hausarrest nicht bezahlen. Aargauerzeitung: Hausarrest – Keine Kosten für Walliser Hanfbauer.

17.08.11 Luzernerz., NZZ, Aargauerz., Reussbote: Sitten – Rappaz wieder im Hungerstreik. Er ist der Auffassung, er habe bereits jetzt und nicht erst im September Anrecht auf einen Urlaub von 24 Stunden, da er einen Drittel seiner Haftstrafe verbüsst habe. Streitpunkt sind die 37 Tage seines Hausarrestes während der Untersuchungshaft im Jahr 2006, welche die Strafvollzugsbehörden nicht anerkennen wollen.

29.08.11 Tel. von BR an Sandra. Es gibt: www.tapagoille.blogspot.com, mais c'est en français…

31.08.11 Tel. von Sandra, sie hat Post erhalten von BR: Am 18. August hat der Nationalrat die Zwangsernährung abgelehnt. 12.09.11 Tel. von Sandra. Hat Brief von BR bekommen. Seit dem 8. September ist der Hungerstreik vorbei. Er dauerte 26 Tage.

17.09.11 BR hätte seinen ersten Urlaub für 24 Stunden.

21.09.11 Tel. von Maggie: BR hatte keinen Urlaub. Am 14.9. gabs einen Urintest. Er war THC-positiv. Statt Urlaub bekam er fünf Tage «Cachot» – das ist eine Zelle im Keller.

29.09.11 Tel. an Sandra. Sie hat gestern einen sechsseitigen Brief von BR erhalten. Er habe Hanftee vom Coop getrunken. Der habe beim Urintest angegeben. Der Fall wird untersucht (siehe Seite drei rechts).

03.10.11 Brief an BR: Heute haben wir 60 Jahre Hanfverbot in der Schweiz. Das ist verrückt! Und noch ist es nicht vorbei!

04.10.11 Karte von BR. Salü Ruth, schon 60 Jahre!! Das ist ganz verrückt!

20.10.11 Tel. von Sandra. Sie hat Post von BR bekommen. Er hat am 22.10. einen 24-Stunden-Urlaub.

11.11.11 Tel. an Sandra. Ja, BR hatte seinen Urlaub. Es wurde für den Dok-Film gearbeitet. Auch ein Buch ist im Entstehen.

07.12.11 Päckli und Brief an BR: Salü Bernard, wie geht es Dir? Ich arbeite jeden Tag für die Hanfpolitik! Wir wollen eine Änderung!

27.12.11 Tel. von Sandra. BR hat sie über Weihnachten besucht.

29.12.11 Brief von BR, geschrieben am 26.12. Es geht gut, vielen Dank für dein Paket, super! Deine Arbeit für die Hanfpolitik ist sehr wunderbar. Auch ich arbeite immer für Hanf, mit meinem Buch und einem Dokumentar-Film, 120 Minuten. Nach 2013 präsentiere ich die zwei Projekte. 2012 ist es im Wallis möglich, vier Hanfpflanzen zu haben, ab 18 Jahre. Liebe Grüsse, Bernard.

Mit diesem vierten Teil schliessen wir unsere Serie ab.

Neues aus dem Knast

Am Wochenende vom 17./18. September 2011 hätte Bernard Rappaz, nach Absitzen des ersten Drittels seiner Haftstrafe, seinen ersten 24-Stunden-Ausgang gehabt. Vorher gab es allerdings noch schnell eine Urinprobe, die prompt «positiv» ausfiel.

Der Häftling beteuert, alle Auflagen eingehalten zu haben und demnach kiff-frei zu sein. Die Obrigkeiten sind zwar bereit, den legal verkäuflichen und genossenen Hanftee von Coop auf Spuren von THC untersuchen zu lassen, verfügen jedoch trotzdem fünf Tage Bunkerhaft statt «erster Ausgang».

Ich bin sicher, der THC-Gehalt besagter Teesäckchen ist nicht «übermässig», aber genau da liegt das Problem: Die hochempfindlichen (THC-Abbauspuren-im-)Urintests zeigen viel zu schnell ein «positives» Resultat an, was sehr bedenklich ist angesichts der drastischen Strafen, die auf eine «positive» UP folgen können! Eigentliche Fehlurteile zu Ungunsten der Verdächtigten sind so regelrecht vorprogrammiert.

Wenn diese Tests bei UPs also Gefahr laufen, falsche Ergebnisse anzuzeigen, wodurch Un-Schuldige, die nicht gekifft haben, als «Schuldige» entlarvt (und bestraft!) werden – und dies wohl öfter vorkommt, als Viele denken – sollten unsere Obrigkeiten die Einsicht haben, in Zukunft auf Urinproben zu eventuellem Cannabiskonsum zu verzichten. Finde ich.

Was den «Fall Rappaz» im Besonderen angeht: Abgesehen von der Demütigung einer UP und dem Risiko eines falschen Resultats, verstehe ich nicht, weshalb diese Kontrolle bei Bernard überhaupt «nötig» war. Er ist seit runden 40 Jahren Hanfaktivist, er geht gegen 60 Lenze zu, also kann auch «Jugendschutz» nicht das Thema sein. Die Obrigkeiten wissen selbst am besten, was ihr Häftling allein in den letzten zwei Jahren durchgemacht hat, und dass er auch wegen fünf Tagen Bunker dem Hanf niemals abschwören wird. Wozu also die ganze Schikane?

Bernard Rappaz ist ein mustergültiger Häftling (abgesehen von möglichen Hungerstreiks bei unfairen Entscheiden), der alle speziellen Auflagen für seinen ersten Ausgang erfüllt hat und trotzdem dafür bestraft wurde. Das ist nicht nur gemein, es ist auch pädagogisch absolut kontraproduktiv! In einer Institution, die Unrechtes bestrafen soll, darf es nicht passieren, dass der gute Wille bestraft wird!

Wie lange noch kann unsere Gesellschaft solch menschenverachtende «Erziehungsmassnahmen» gut finden?

In 60 Jahren Hanf-Prohibition in der Schweiz hat die Repression wahrlich bizarre Züge angenommen. Fazit: Es muss alles wieder besser werden! Die Obrigkeiten wollen nicht über Hanf reden? Gut. Reden wir über (Sinn und Unsinn von) Urinproben!

thc_recht/li580202.txt · Zuletzt geändert: 2013/05/16 20:44 von sos