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Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis

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thc_recht:li810204

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thc_recht:li810204 [2018/11/21 14:22]
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thc_recht:li810204 [2019/05/07 16:49] (aktuell)
sos
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 In der richtigen Kombination können Cannabinoide sogar antipsychotisch wirken. Die Unterteilung in legale und illegale Substanzen macht einmal mehr keinen Sinn, wenn selbst legale Substanzen unter dem Verdacht stehen, Psychosen verstärken oder gar auslösen zu können. In der richtigen Kombination können Cannabinoide sogar antipsychotisch wirken. Die Unterteilung in legale und illegale Substanzen macht einmal mehr keinen Sinn, wenn selbst legale Substanzen unter dem Verdacht stehen, Psychosen verstärken oder gar auslösen zu können.
  
-==== Was sind Psychosen? ====+===== Was sind Psychosen? ​=====
  
 Als Psychosen werden schwere psychische Störungen bezeichnet, die mit einem zeitweiligen und weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergehen. Instinktiv denkt man nun an den kauzigen Typen, der mit sich selber spricht und/oder andere in der Öffentlichkeit grundlos beschimpft. Der Begriff Psychose ist jedoch lediglich ein Überbegriff und umfasst noch viele andere psychische Erkrankungen,​ die bei weitem nicht so spektakulär sind.  Als Psychosen werden schwere psychische Störungen bezeichnet, die mit einem zeitweiligen und weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergehen. Instinktiv denkt man nun an den kauzigen Typen, der mit sich selber spricht und/oder andere in der Öffentlichkeit grundlos beschimpft. Der Begriff Psychose ist jedoch lediglich ein Überbegriff und umfasst noch viele andere psychische Erkrankungen,​ die bei weitem nicht so spektakulär sind. 
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 Im Zusammenhang mit Cannabis(-konsum) wird der Begriff jedoch meist mit dem Erleben einer schizophrenen Episode gleichgesetzt. In einem solchen Zustand verlieren Betroffene den Bezug zur Realität, erleben also Wahnvorstellungen. Im Zusammenhang mit Cannabis(-konsum) wird der Begriff jedoch meist mit dem Erleben einer schizophrenen Episode gleichgesetzt. In einem solchen Zustand verlieren Betroffene den Bezug zur Realität, erleben also Wahnvorstellungen.
  
-==== Der ungebrochene Glaube an unseriöse Studien ====+===== Der ungebrochene Glaube an unseriöse Studien ​=====
  
 Treffen Befürworter und Gegner einer Cannabis-Legalisierung aufeinander,​ dauert es meistens nicht lange, bis sich die Kontrahenten Ergebnisse diverser Studien um die Ohren hauen. ​ Treffen Befürworter und Gegner einer Cannabis-Legalisierung aufeinander,​ dauert es meistens nicht lange, bis sich die Kontrahenten Ergebnisse diverser Studien um die Ohren hauen. ​
Zeile 25: Zeile 25:
 Die Frage, ob nun Fremdstoffe oder Cannabis für den aktuellen Zustand des Probanden verantwortlich sind, kann somit nicht mehr beantwortet werden, denn auch ein z. B. mit Blei verunreinigter Joint kann Abgeschlagenheit verursachen oder sogar das Gehirn schädigen. Die Frage, ob nun Fremdstoffe oder Cannabis für den aktuellen Zustand des Probanden verantwortlich sind, kann somit nicht mehr beantwortet werden, denn auch ein z. B. mit Blei verunreinigter Joint kann Abgeschlagenheit verursachen oder sogar das Gehirn schädigen.
  
-==== Huhn oder Ei: die Krux mit der Kausalität ====+===== Huhn oder Ei: die Krux mit der Kausalität ​=====
  
 Betroffene leben meistens längere Zeit mit psychischen Erkrankungen,​ bevor sie sich professionelle Hilfe suchen oder von ihrem Umfeld dazu bewogen werden. Die Diagnose gibt dann auch oft nur Hinweise auf die schlechten Erfahrungen und Ereignisse der Vergangenheit. Sobald dann der Cannabiskonsum ins Spiel kommt, wird dieser oft vorschnell als Ursache identifiziert,​ obwohl dies in den meisten Fällen nicht mit harten Fakten untermauert werden kann (wie z. B. durch empirische Daten, siehe oben). ​ Betroffene leben meistens längere Zeit mit psychischen Erkrankungen,​ bevor sie sich professionelle Hilfe suchen oder von ihrem Umfeld dazu bewogen werden. Die Diagnose gibt dann auch oft nur Hinweise auf die schlechten Erfahrungen und Ereignisse der Vergangenheit. Sobald dann der Cannabiskonsum ins Spiel kommt, wird dieser oft vorschnell als Ursache identifiziert,​ obwohl dies in den meisten Fällen nicht mit harten Fakten untermauert werden kann (wie z. B. durch empirische Daten, siehe oben). ​
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 Der Konsum von Cannabis kann also auch unter dem Aspekt der Selbstmedikation betrachtet werden, wobei die Kausalität umgekehrt wird: Cannabiskonsum ist dann ein Symptom und nicht mehr die Ursache. Für welche Krankheitsbilder und unter welchen Voraussetzungen dies gilt, muss aber noch im Detail studiert werden und ist – wie ­vieles andere im Bereich Cannabiskonsum auch – als individuelle Angelegenheit zu ­betrachten. Der Konsum von Cannabis kann also auch unter dem Aspekt der Selbstmedikation betrachtet werden, wobei die Kausalität umgekehrt wird: Cannabiskonsum ist dann ein Symptom und nicht mehr die Ursache. Für welche Krankheitsbilder und unter welchen Voraussetzungen dies gilt, muss aber noch im Detail studiert werden und ist – wie ­vieles andere im Bereich Cannabiskonsum auch – als individuelle Angelegenheit zu ­betrachten.
  
-==== Cannabis ist nicht gleich Cannabis ====+===== Cannabis ist nicht gleich Cannabis ​=====
  
 Cannabisprodukte (Gras/​Marihuana und Haschisch) können sowohl je nach Sorte und Züchtung wie auch je nach Art und Menge der Wirkstoffe in der ursprünglichen Pflanze eine grosse Bandbreite an Wirkungen ent­falten. Während hochpotente Produkte mit viel THC (Tetrahydrocannabinol) psychotisch wirken, zeigen Sorten, die reich an CBD (Cannabidiol) sind, antipsychotische Effekte. Das ist wohl mit ein Grund, warum viele Cannabis-Liebhaber gutes marokkanisches oder afghanisches Haschisch schätzen: Die auf diesen Feldern traditionell angebauten Pflanzen sind – neben THC – auch reich an CBD, und deren Wirkung wird oft als an­genehmer empfunden als andere, weniger CBD-reiche Sorten. Cannabisprodukte (Gras/​Marihuana und Haschisch) können sowohl je nach Sorte und Züchtung wie auch je nach Art und Menge der Wirkstoffe in der ursprünglichen Pflanze eine grosse Bandbreite an Wirkungen ent­falten. Während hochpotente Produkte mit viel THC (Tetrahydrocannabinol) psychotisch wirken, zeigen Sorten, die reich an CBD (Cannabidiol) sind, antipsychotische Effekte. Das ist wohl mit ein Grund, warum viele Cannabis-Liebhaber gutes marokkanisches oder afghanisches Haschisch schätzen: Die auf diesen Feldern traditionell angebauten Pflanzen sind – neben THC – auch reich an CBD, und deren Wirkung wird oft als an­genehmer empfunden als andere, weniger CBD-reiche Sorten.
  
-==== Warum immer nur Cannabis? ====+===== Warum immer nur Cannabis? ​=====
  
 Als Erstes müssen wir uns bewusst werden, dass psychotrope Substanzen per Definition das Bewusstsein verändern können. Konsumierende wollen ja gerade in andere Denkmuster verfallen, den Bezug zur Realität verändern oder gar Halluzinationen auslösen. ​ Als Erstes müssen wir uns bewusst werden, dass psychotrope Substanzen per Definition das Bewusstsein verändern können. Konsumierende wollen ja gerade in andere Denkmuster verfallen, den Bezug zur Realität verändern oder gar Halluzinationen auslösen. ​
Zeile 47: Zeile 47:
 Oft ist es ja dann auch ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren, welches eine Krankheit auslösen kann – nur einen Umstand oder eine Substanz als ursächlich zu betrachten, ist allzu sehr vereinfacht und schlicht unseriös. Der Mensch und damit auch das Thema Gesundheit ist so komplex, dass es für eine gesamtheitliche Beurteilung immer zahlreiche Faktoren mitzuberücksichtigen gilt – sonst läuft man Gefahr, vorschnell die falschen Ursachen für Erkrankungen verantwortlich zu machen und damit schlussendlich eine Heilung zu erschweren oder gar zu verunmöglichen. Oft ist es ja dann auch ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren, welches eine Krankheit auslösen kann – nur einen Umstand oder eine Substanz als ursächlich zu betrachten, ist allzu sehr vereinfacht und schlicht unseriös. Der Mensch und damit auch das Thema Gesundheit ist so komplex, dass es für eine gesamtheitliche Beurteilung immer zahlreiche Faktoren mitzuberücksichtigen gilt – sonst läuft man Gefahr, vorschnell die falschen Ursachen für Erkrankungen verantwortlich zu machen und damit schlussendlich eine Heilung zu erschweren oder gar zu verunmöglichen.
  
-==== Eine Regulierung ist notwendig ====+===== Eine Regulierung ist notwendig ​=====
  
 Gemäss Zahlen des Suchtmonitorings hat ein Drittel aller in der Schweiz Lebenden schon einmal Cannabis konsumiert. Trotz des Verbots konsumieren also hunderttausende Personen Cannabis, ohne je ein Problem damit zu bekommen. Klar, jedes Opfer ist eines zu viel – allerdings ist es heuch­lerisch,​ hunderttausende Cannabiskonsumierende zu diskriminieren und zu kriminalisieren,​ und dies aufgrund einer Annahme, die wissenschaftlich betrachtet auf wackeligen Beinen steht. ​ Gemäss Zahlen des Suchtmonitorings hat ein Drittel aller in der Schweiz Lebenden schon einmal Cannabis konsumiert. Trotz des Verbots konsumieren also hunderttausende Personen Cannabis, ohne je ein Problem damit zu bekommen. Klar, jedes Opfer ist eines zu viel – allerdings ist es heuch­lerisch,​ hunderttausende Cannabiskonsumierende zu diskriminieren und zu kriminalisieren,​ und dies aufgrund einer Annahme, die wissenschaftlich betrachtet auf wackeligen Beinen steht. ​
Zeile 53: Zeile 53:
 Suchtfachleute sind sich einig, dass die Prohibition gescheitert ist und eine Regulierung von Cannabis dringend nötig wäre. Suchtfachleute sind sich einig, dass die Prohibition gescheitert ist und eine Regulierung von Cannabis dringend nötig wäre.
  
-==== Die Grössenordnungen im Vergleich ====+===== Die Grössenordnungen im Vergleich ​=====
  
 Der Bund hat in der «Nationalen Strategie Sucht 2017-2024» auf der Seite 35 eine ­Zusammenstellung nach substanzgebundenen psychiatrischen Diagnosen veröffentlicht (Intoxikationen,​ schädlicher Gebrauch, Ab­hängigkeitssyndrom,​ Entzugssyndrom,​ psy­chotische Störung). Im Jahr 2013 wurden demnach 15’519 solche Diagnosen wegen Alko­hol gestellt, 1’807 wegen Opioiden, 1’702 wegen anderer Drogen, 1’700 wegen multiplen Substanzgebrauchs und 800 wegen Cannabinoiden (davon waren 135 psychotische Störungen). Der Bund hat in der «Nationalen Strategie Sucht 2017-2024» auf der Seite 35 eine ­Zusammenstellung nach substanzgebundenen psychiatrischen Diagnosen veröffentlicht (Intoxikationen,​ schädlicher Gebrauch, Ab­hängigkeitssyndrom,​ Entzugssyndrom,​ psy­chotische Störung). Im Jahr 2013 wurden demnach 15’519 solche Diagnosen wegen Alko­hol gestellt, 1’807 wegen Opioiden, 1’702 wegen anderer Drogen, 1’700 wegen multiplen Substanzgebrauchs und 800 wegen Cannabinoiden (davon waren 135 psychotische Störungen).
  
  
thc_recht/li810204.txt · Zuletzt geändert: 2019/05/07 16:49 von sos