Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis
 

Lebensmittel

Shit happens 10

Für alle legal: Lebensmittel mit THC-Spürchen

Gesetze

THC-Grenzwerte für Lebensmittel
Fremd- und Inhaltsstoffverordnung FIV, SR 817.021.23
Zugelassene Hanfsorten Sortenverordnung, SR 916.151.6, Anhang 4 (leerer Sortenkatalog) und Vermehrungsmaterial-Verordnung SR 916.151, Art. 14, 1bis

Bedingungen

Lebensmittel mit THC-Spuren sind nur legal, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Ausserdem darf in der Produktion keine Substanz eingesetzt werden, die 1.0 % THC oder mehr enthalten hat. Man darf also nicht Hasch zermahlen und dann mit sehr viel Tabak mischen und verkaufen…

Tipps

Ein positiver Urintest auf THC-Abbauprodukte sagt nur aus, dass jemand THC aufgenommen hat. Ob dieses nun aus einem Joint stammt oder aus einem Hanfspeiseöl, kann man mit den Schnelltests nicht feststellen. Ein positiver Urintest sagt also nichts darüber aus, ob jemand illegal gekifft hat.

Strafen

Wer die THC-Grenzwerte für Lebensmittel bei seinen verkauften Hanf-Produkten überschreitet, wird mit Busse bis zu 40’000 Franken bestraft. Falls die THC-Werte der Produkte/Zwischenprodukte die 1 %-Marke erreichen, greift das BetmG (Vergehen, da Weitergabe).

Erlaubtes THC

Ja, es gibt legalen THC-Konsum. Auch verkaufen darf man gewisse Produkte mit THC. Die Grenzwerte sind jedoch so tief, dass es niemals zu einer psychoaktiven Wirkung kommen wird (und das ist natürlich mit diesen Bestimmungen auch so beabsichtigt).
Lagen die Grenzwerte früher noch bei bis zu 50 mg/kg, so sind die Werte nun nochmals reduziert worden:

Die Grenzwerte für THC in Lebensmitteln (in Milligramm pro Kilogramm)

20.0 Hanfsamenöl
10.0 Hanfsamen (bezogen auf Trockenmasse)
5.0 Spirituosen (bezogen auf reinen Alkohol, mg/l)
2.0 Back- und Dauerbackwaren (bezogen auf Trockenmasse)
2.0 Teigwaren (bezogen auf Trockenmasse)
1.0 pflanzliche Lebensmittel (übrige; bezogen auf Trockenmasse)
0.2 alkoholfreie Getränke (bezogen auf trinkfertige Zubereitung)
0.2 alkoholhaltige Getränke (ausgenommen Spirituosen)
0.2 Kräuter- und Früchtetee (bezogen auf trinkfertige Zubereitung) 1)

In Prozenten ausgedrückt kommen wir so auf Werte von 0.00002 bis maximal 0.002 % THC. Das ergibt keine Rauschwirkung. Dies sind die THC-Dosierungen, die erlaubt sind.

Urintests werden schnell positiv

Wenn jemand regelmässig legale Hanfprodukte mit THC-Spuren konsumiert, kann eine Urinprobe durchaus positiv auf THC-Abbauprodukte angeben, obwohl diese Person gar nicht gekifft hat. Damit relativiert sich die Aussagekraft von Urintests.
Im Blut allerdings kann ein rechtsmedizinisches Institut den THC-Gehalt auch quantitativ bestimmen und niemand kommt mit Nahrungsmitteln auf die Werte, die zum Beispiel regelmässiges Jointrauchen hervorbringt.
Die Testmaschinerie wird auch laufend besser, schneller, aber das ändert nichts daran, dass man eben auch auf legalem Weg THC zu sich nehmen kann – und dass sich so Spuren von THC-Abbauprodukten auch ohne illegalen Konsum gebildet haben können.

THC-Testing

Zum Vergleich: Grenzwerte für Morphin

Ein ähnliches Phänomen gibt es übrigens auch beim Mohn: Wer Mohnbrötchen isst, kann positiv auf Opiate getestet werden. Dementsprechend gibt es auch einen Grenzwert für Morphin (den Wirkstoff im Mohn, berechnet als Base), der für Mohnsamen bei 30 mg/kg liegt, also etwas höher als bei THC.

Eine leere «Liste» für die Landwirtschaft

Im Landwirtschaftsgesetz gibt es einen Sortenkatalog, der definiert, welche Sorten in Verkehr gebracht werden dürfen. Darin waren bis vor einigen Jahren mehrere Hanfsorten mit einem THC-Gehalt von bis zu 0.3 % aufgeführt. Nun ist der Schweizer Sortenkatalog für Hanf leer. Es gibt jedoch einen Verweis auf den EU-Sortenkatalog, in welchem 55 Sorten aufgeführt sind (Stand 21.9.16). Die meisten Hanfbauern in der Schweiz bauen solche Sorten an, vor allem zur Gewinnung der Samen, aber auch als Zierpflanzen kommen sie auf den Markt.
Neu werden auch Blüten dieser Pflanzen angeboten, zum Teil als Tabakersatz.

Wie viele Hanfpflanzen darf ich legal anbauen?

Was sagt das Betäubungsmittelgesetz?

Zum Vergleich: Das aktuelle Betäubungsmittelgesetz definiert alle Produkte, die mindestens 1.0 % THC aufweisen, als illegale Betäubungsmittel. Der Anbau der legalen Sorten kann daher Probleme ergeben: Wenn die Staats­an­walt­schaft eine Messung anordnet, können einzelne Ergebnisse etwas über den 1.0 % THC liegen – sei es wegen guter Wetterbedingungen oder natürlicher Schwankungen. Auch wenn Gerichte betroffene Bauern schon freigesprochen haben: Allein ein solches Strafverfahren bedeutet eine grosse Menge an Zusatzarbeit.
Wer legalen Hanf in der Schweiz anbaut, wird ziemlich sicher mit den Behörden Gespräche führen müssen, (sinnlose) Diebstähle erleben und auch die Nachbarschaft gilt es zu beruhigen…
Trotz dieser Unannehmlichkeiten ist die legale Hanfproduktion nie ganz verschwunden.

Legale Hanfprodukte auf dem Markt

Hanfspeiseöl ist in vielen Reformhäusern zu finden, nicht ganz billig, herb-nussig und häufig nur gekühlt lagerbar. Hanfsamen zum Essen gibt es im Internet zu finden, besonders die geschälten sind beliebt. Diese Produkte werden auch in der Schweiz hergestellt, haben dann allerdings ihren Preis. Schnüre aus Hanf finden sich im Büromaterialhandel, meistens aus ausländischer Produktion. Solche Produkte bestehen zu 100 % aus Hanf. Je nach Gewebe sind auch Hanfstoffe für Kleider vollständig aus Hanf, es gibt auch Mischgewebe mit Baumwollanteil. Hanf-Kleider finden sich im Naturtextilienhandel.
Die Grossverteiler bieten verschiedene Tees und Ice-Teas an, die zu einem kleinen Teil aus Hanf bestehen und mit weiteren Teekräutern gemischt sind. Es gibt Biere, bei denen der Hopfen (übrigens der nächste Verwandte des Hanfs) zum Teil durch Hanfblüten und -blätter ersetzt wird.
Diese Produkte sind keine Betäubungsmittel und fahren nicht ein. Die Nahrungsmittel enthalten nur Spürchen von THC – das bisschen THC, das alle legal konsumieren dürfen.

Neues Thema: CBD-Hanf

1) 15 g Pflanzenteile pro kg Wasser, mit kochendem Wasser übergiessen und während 30 Minuten über 85 °C halten
thc_recht/lebensmittel.txt · Zuletzt geändert: 2017/09/08 17:43 von sos
 
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