Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis
 
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Verzeigungszahlen 2010: Steigerung auf hohem Niveau

Nach zwei Jahrgängen mit der neuen Zählweise ist klar: Das Ausmass der Repression gegen Cannabis wurde bisher klar unterschätzt. Wir wagen einen Vergleich zur früheren Zählweise und können erstmals zwei neue Jahre miteinander vergleichen.

Neue Statistik vom BFS

Seit zwei Jahren gibt nun das Bundesamt für Statistik die Zahlen zur Cannabisrepression heraus. Die ersten 35 Jahrgänge trug noch das Bundesamt für Polizei zusammen. Leider ist die Zählweise nicht mehr die gleiche, so dass die Vergleichbarkeit nur noch eingeschränkt gegeben ist.

Allerdings macht die neue Unterscheidung zwischen Übertretung und Verzeigung mehr Sinn – die erstere wird mit Busse und Gebühren (Total ein paar hundert Franken) bestraft, während die zweite zusätzlich mit Geldstrafe/Tagessätzen oder Freiheitsstrafe sowie einem Eintrag im Strafregister geahndet wird.

Probleme der neuen Statistik

Es gibt nun sehr viele Kategorien (Cannabis, Hanf (Jungpflanze), Hanf (Pflanze getrocknet), Hanf (Pflanze frisch), Haschisch, Marihuana, Haschischöl und Hanfsamen). Doch sind die meisten praktisch «leer»: Das heisst, die beiden Kategorien Haschisch und Marihuana enthalten den Löwenanteil. Daher haben wir uns entschlossen, die anderen Kategorien diesen beiden anzuhängen. Gras bedeutet bei uns also: Cannabis, Hanf (Jungpflanze), Hanf (Pflanze getrocknet), Hanf (Pflanze frisch), Marihuana und Hanfsamen. Hasch umfasst bei uns: Haschisch und Haschischöl. (Für Details siehe Legalize it! 52.)

Offene Frage

Es gibt allerdings noch eine Kategorie «Mehrere Substanzen». Hier sind wohl auch diverse reine Hanffälle verzeichnet (zum Beispiel jemand, der mit Hanfsamen und Marihuana erwischt wurde). Trotz mehrmaligem Nachfragen sah sich das BFS ausser Stande, diese, doch recht gut gefüllte, Kategorie für uns aufzuschlüsseln. Es kann daher gut sein, dass jeder Balken bei den Übertretungen noch ein paar tausend Fälle höher wäre, als wir ihn darstellen.

Ordnungsbussen

Die Ordnungsbussen, die vor allem in St. Gallen und Neuenburg eine Rolle spielen, sollten in diesen Zahlen ebenfalls nicht enthalten sein und machen wohl nochmals ein paar hundert Fälle pro Jahr aus.

Vergleich zu früher

Wurden früher Verzeigungen gezählt, werden nun Beschuldigte und Straftaten gezählt. Im Prinzip müsste es ja weniger Beschuldigte als Verzeigungen geben, während es tendenziell mehr Straftaten als Verzeigungen geben sollte. Wir stellen hier nun die alten 35 Jahrgänge den beiden neuen gegenüber.

Bei den Konsumverzeigungen/Übertretungen (erste Grafik) halten sich die neuen Zahlen noch im Bereich einer einigermassen nachvollziehbaren Abweichung, aber bei den Handelsverzeigungen/Vergehen werden enorm viel mehr Fälle ausgewiesen als früher. Der Grund dafür ist nicht ersichtlich. Doch es ist klar: Das Ausmass der Repression wurde bisher deutlich unterschätzt. Sie betraf 2010 über 35’000 Menschen bei den Übertretungen und über 7’000 Menschen bei den Vergehen. In einem Jahr. Das ist enorm.

Vergleich 2009 zu 2010

Aber auch wenn wir nur die beiden neuen Jahrgänge miteinander vergleichen (die ja direkt vergleichbar sind), stellen wir Steigerungen von 7-8% bei den Übertretungen und von rund 5% bei den Vergehen fest. Da können wir ja gespannt sein, wie sich das in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Die Repression ist jedenfalls unvermindert mit voller Kraft am wüten.

Vielleicht sollten sich die ach so überarbeiteten Polizisten – die in Zürich gar einen kleinen Bussenstreik durchgeführt haben, um auf ihre prekäre Überlastung hinzuweisen – vielleicht mal überlegen, ob sie sich nicht wenigstens die Registrierung der über 40’000 Straftaten im Bereich THC-Übertretung sparen sollten? Verwerflich sind diese Verfolgungen eh – zu schützende Opfer gibt es ja keine – da wäre weniger (Repression) eindeutig mehr (Anstand).

thc_recht/li560203.txt · Zuletzt geändert: 2012/03/08 21:12 von sos
 
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