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Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis

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Jugendliche kiffen, auch wenn man es nicht will

Ein schwieriges Thema: kiffende Jugendliche. Niemand will das, Realität sind sie trotzdem. Hier der Bericht eines minderjährigen THC-Konsumenten über seine Erfahrungen. Anschliessend ein Beispiel für eine Bestrafung Jugendlicher wegen Konsums.

Erfahrungsbericht eines Jugendlichen Hanf-Konsumenten

«Nun, angefangen habe ich mit 13. Der erste Joint war schrecklich: Ich hatte einen Hustenanfall und mir wurde speiübel.

Vorher hatte ich noch nie auch nur eine Zigarette geraucht. Meine Kumpel meinten, sie würden das Zeug eigentlich nur mit Tabak rauchen, weil es so teuer ist. Trotz der Übelkeit fand ich das High richtig toll. Ich war auf den Geschmack gekommen.

Ich recherchierte viel im Internet. Vor allem, wie das Ganze wirkt und wie es aufgebaut ist. Auch die verschiedenen Sorten interessierten mich sehr. Ich entschied mich schliesslich mir ein Bong zuzulegen, damit ich das Zeug ohne viel Aufwand rauchen konnte.

Gras zu beschaffen war dann der leichteste Teil. Für 30 Franken bekam ich ein Gramm No-Name Gras (ziemlich teuer eigentlich). Auf meine Frage, welche Sorte das denn sei, wusste mein Bekannter keine Antwort.

Ich hatte meine Bong auf dem Dachboden unseres Mehrfamilienhauses versteckt, wo jeder Zugang hat. Dort ging ich dann auch hin zum Rauchen… Eine Petflasche mit Wasser und ein normales Feuerzeug im Anschlag, so stieg ich dann in den Estrich. Leider hatte ich keinen Grinder, so musste ich das Zeug zerbröseln, was nicht gerade optimal war.

Nach dem ersten Köpfchen merkte ich schon recht schnell ein dumpfes tonnenschweres High… Ganz und gar nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte. (Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass es wohl auch einfach sehr schlechtes Gras war. Zudem war es mit irgendwelchem Erbsenpulver gestreckt.)

Nach dem zweiten Köpfchen war ich total breit. (Wohlbemerkt es war eine kleine Bong mit knapp einem halben Liter Fassungsvermögen.) Die Asche leerte ich in einen kleinen leeren Karton, welcher da einfach so rumstand.

Jetzt hatte ich aber ein Problem. Ich war auf dem dunklen Estrich total high und hörte meine Nachbarin mit irgendwem reden. Ich konnte also den Estrich jetzt nicht verlassen ohne gesehen zu werden und ohne Zweifel roch ich auch ziemlich nach Pot. Eine knappe halbe Stunde verharrte ich, in einer Ecke sitzend. Der Lärm der Strasse trug nicht gerade dazu bei, dass ich mich etwas beruhigte.

Als ich dann endlich den Estrich (nach meinem Gefühl) sicher verlassen konnte, war der Rest «a Piece of Cake». Schnell zur Tür rein, eine knappe Begrüssung Richtung meiner Mutter (wie immer) und sofort unter die Dusche.

Wer jetzt sagt, dass auf dem Dachboden hocken und Bongrauchen armselig ist, hat vermutlich recht. Doch die Umstände liessen nichts Anderes zu. Damals waren viele meiner Kumpels drangekommen, weil sie gekifft hatten. Diese Erfahrung wollte ich definitiv nicht machen.

Es folgte ein Jahr lang schlechtes, überteuertes Gras und zwei kaputte Bongs. Ich ging zum Rauchen immer auf den Dachboden – alleine und in der Dunkelheit, ausserdem war es arschkalt und laut. Ganz und gar kein gutes Set.

Ich habe mein Gras immer wieder woanders bezogen. Immer war es die gleiche miserable Qualität. Und niemand konnte mir zuverlässig sagen, welche Sorte das denn sei. Schliesslich traf ich in Bern meinen Dealer für die nächsten zwei Jahre.

Er meinte, ich sei etwas jung dafür und so kamen wir ins Gespräch. Er lieferte mir endlich gutes Gras und konnte mir immer wahrheitsgemäss sagen, welche Sorte er mir da verkaufte (habs immer kontrolliert). Er hatte nicht mehr als andere verlangt, legte aber immer mal wieder einen Krümel drauf. Er teilte meine Meinung, dass man nicht über Gras direkt zu anderen Drogen kommt, sondern durch schlechte Dealer. Überhaupt mochte er die Bezeichnung «Dealer» gar nicht.

Daraufhin nannte ich ihn anfangs meinen Apotheker. Er fragte mich auch immer wie es gehe und wie das Gras vom letzten Mal war. Ich mochte vor allem Lemon Haze und Red Dragon. Er hatte bestimmt noch andere Kunden, nicht nur mich. Ich nannte ihn Apotheker, weil Gras wie Medizin ist.

Wir leben in einer Zeit, in der viele Leute jeden Tag irgendwelche Pillen oder Mittelchen einnehmen, nur um sich gut zu fühlen. Dabei werden wir nur kränker und gestresster. Cannabis war für mich immer ein Genussmittel, wie es ein Glas Rotwein für andere ist. Ich verstand nie, warum es so verteufelt wird.

Meine Leistungen in der Schule stiegen und auch der Umgang mit der Familie wurde besser. Ausserdem brachte ich es endlich auf die Reihe eine Freundin zu finden (bin durchaus tageslichttauglich).

Im Sommer 2012 gelang es mir nicht mehr meinen Apotheker zu erreichen. Später meldete er sich: Er sei verhaftet worden wegen Drogenhandels. Er werde kein Gras mehr anbauen und eine Weile nichts mehr verkaufen, es tue ihm leid.

Von da an gabs wieder minderwertiges Gras zu hohen Preisen. Anfang 2013 zog ich mir eine Schwermetallvergiftung zu. Ich hatte von einem Kumpel für einen Fufi ein Baggy No-Name Gras gekauft und er versicherte mir, dass es clean sei.

Seither habe ich meinen Konsum fast komplett eingestellt und wenn ich etwas kaufe, dann kontrolliere ich es mit dem Mikroskop. Bisher denke ich nicht, dass ich süchtig bin. Klar, es ist eine Gewohnheit und ich finde es gut. Es ist wie manche ihr Glas Rotwein trinken. Ich brauchs nicht zum Einschlafen und bekomme keine Krise, wenn ich mal drei bis vier Wochen nichts rauche.

Ich habe bis jetzt auf den Konsum mit Tabak zusammen verzichtet und meiner Lunge geht es so weit gut. Nur dass ich nach wie vor ein Krimineller bin stört mich. Ich werde im April 18 Jahre alt… Ich hoffe, ich komme bis dahin straffrei durch.

Ich habe kein Bedürfnis nach einer anderen «Droge», wenn man Cannabis als solche bezeichnen kann. Ich habe eine Weile Ritalin genommen wegen meinem ADS. Und ich muss sagen, Ritalin macht zwar aufmerksamer aber einfach auch nur stumpf. Ich gehe nicht bekifft arbeiten, noch gehe ich bekifft zur Schule. Niemand kommt dadurch zu Schaden, im Gegenteil.

Ich sei offener und freundlicher geworden in den letzten Jahren. Und sowas wird als kriminell eingestuft? Ich habe keine Lust mehr auf dem Dachboden alleine zu kiffen. Die Welt wäre ein besserer Ort würden es mehr Leute tun. Meine Meinung.»

Jugend und Legalisierung

Der Umgang mit jugendlichen THC-Konsumierenden ist sehr gefühlsbeladen. Alle wollen die Jugend schützen. Aber will die Jugend auch geschützt werden? Ist denn THC-Konsum so wahnsinnig gefährlich, dass sich da umfassende Abstinenz als einziges Konzept anbietet? Obwohl es einfach nicht funktioniert? Viele Jugendliche kiffen, viele Erwachsene haben als Jugendliche damit angefangen. Es ist richtig, dass das sich entwickelnde Gehirn Jugendlicher empfindlich auf Drogen reagieren kann. Aber es ist ebenso richtig, dass auch sehr viele Jugendliche, wie die meisten Erwachsenen, mit THC einen vernünftigen Umgang finden können.

Auf alle Fälle ist es sinnlos, Jugendlichen mit dem Strafrecht das Kiffen zu verbieten und sie dann per Jugendanwaltschaft wie junge Kriminelle zu behandeln. Bloss weil jemand kifft, ist sie oder er nicht kriminell. Auch beim Alkohol und beim Tabak ist es so: Der Konsum ist für Jugendliche keine strafbare Handlung. Aber Jugendlichen Alkohol und Tabak abzugeben, das kann bestraft werden.

Ähnlich sollte es auch beim Hanf geregelt werden: Wenn Jugendliche kiffen, ist das keine Straftat. Wer Jugendlichen jedoch etwas zugänglich macht, der kann bestraft werden. Das wäre eine Möglichkeit. Doch woher sollen dann die Jugendlichen Gras oder Hasch erhalten? Wenn sie schon anfangen zu kiffen, wäre es gut, erfahrene Menschen könnten ihnen eine paar Tipps auf den Weg mitgeben. Niemand sagt, THC-Konsum sei völlig harmlos. Es braucht ein gewisses Mass an Verantwortung und Wissen, um mit THC problemfrei umgehen zu können.

Vielleicht sollten im Zusammenhang mit Legalisierungsdiskussionen auch Ideen entwickelt werden, wie brauchbarer Jugendschutz wirklich aussehen könnte: Mit spezialisierten Verkaufsstellen, die nur Jugendlichen offen stehen und wo diesen neben dem Bezug von Gras und Hasch auch Informationen und Alternativen aufgezeigt werden können?

Ein solches Modell zu entwickeln ist schwierig, zugegeben. Aber wir sollten auch für Jugendliche ein Konzept entwickeln. Denn das Thema «Und die Jugend?» wird sowieso aufkommen, es ist das emotionalste Unterthema im eh schon emotionalen Thema Hanf. Und es braucht auch Lösungsideen, weil gerade die jugendlichen Kiffenden die von Schwarzmarkt-Problemen und der Repression am häufigsten betroffenen Personen sind. Da richtet das Totalverbot wohl mehr Schaden an, als durch den Konsum legalen Krautes je entstehen könnte.

Wie werden Jugendliche wegen Kiffens bestraft?

Wenn Minderjährige beim Kiffen auffallen, kommt die Jugendanwaltschaft zum Zug. Dies sind aber keine Anwälte für Jugendliche, sondern sie sind ein Teil der Staatsanwaltschaften und also ein Teil der Strafverfolgungsbehörden. Das Gesetz gilt ja eh auch für Jugendliche, nur die Strafverfolgung übernimmt eine andere Abteilung.

Beim ersten Mal kann die Bestrafung so aussehen: Die Jugendanwaltschaft erlässt einen Strafbefehl, mit dem der junge Kiffer mit einer «persönlichen Leistung» über zwei Halbtage bestraft wird. Er muss dazu in einer Fachstelle Unterricht in Suchtprävention besuchen. Die Eltern werden eingeladen, ebenfalls diesen Kurs zu besuchen. Dazu kommen Verfahrenskosten über 50 Franken.

Die Strafen können in den verschiedenen Kantonen variieren. Dieses Beispiel ist aus Bern.

Ein Faksimile dieses Strafbefehls findet sich hier.

Dort finden sich auch Strafbefehle gegen Erwachsene aus den letzten Jahren quer durch die Schweiz.

Wir suchen Dokumente

Wir sind nach wie vor interessiert an Ordnungsbussen, Straf­befehlen und Dokumenten aller Art, die das Geschehen rund um die Repression gegen Hanf und THC aufzeigen. Wenn du Jugendliche oder Erwachsene mit einer Busse antriffst, bitte ihn oder sie doch, uns eine Kopie davon zu schicken. Jeder Fall ist interessant und präzisiert das Bild, das wir über die Hanf-Verfolgung zusammentragen.

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