Ein Pilotprojekt für Cannabis Social Clubs?

Statt Totalverbot wären ja verschiedene Möglichkeiten denkbar, wie ­unsere Gesellschaft einen Umgang mit THC-reichen Produkten gestalten könnte. Wichtig ist uns, dass nicht nur der Staat, die Suchtfachstellen oder die Wirtschaft dies bestimmen, sondern auch die Konsumierenden.

Eine Türe wird geöffnet

Mit dem Inkrafttreten der Vorlage zu den Pilotprojekten öffnet sich der Spielraum für Experimente vielleicht ein bisschen. In den Medien kursieren ­bereits verschiedene Ideen, wie solche ­Pilotprojekte umgesetzt werden könnten. Politik, Städte und Suchtverbände haben ja bereits überregulierte Ideen gesponnen. Die Konsumierenden, also wir, die es ­eigentlich betrifft, werden dabei meist nur auf das Untersuchungsobjekt reduziert.

Wie gestalten wir diesen Raum?

Doch was wollen wir? Was könnte ein erstes Szenario sein, das auch in der ­Realität umsetzbar wäre? Und was könnten ­mögliche ­Fragestellungen einer solchen Studie sein?

Die Frage, was wir als Konsumierende wollen, ist schnell und einfach beantwortet: einen sicheren, legalen und kostengünstigen Zugang zu THC-haltigen Produkten. In der Schweiz beziehen die meisten Konsumierenden ihr Cannabis von Bekannten, ohne dafür bezahlen zu müssen. Wer regelmässig konsumiert, zahlt dafür. Nur wenige beziehen über die Gasse oder bauen gar selber an. Letztere versorgen ­jedoch den Schweizer Markt zum grössten Teil. Warum also eine komplexe Studie mit aufwen­digem Vertriebsmanagement über Apotheken oder «Abgabestellen»? Und sind wir mal ehrlich, wer bezieht freiwillig sein ­Cannabis in der Apotheke wie ein Junkie das Methadon? Wir wollen keine «Fixer­stübli». Wir wollen einfach einen Ort, wo man sich mit Freundinnen und Freunden trifft, konsumiert und Spass hat. Idealerweise mit Infra­struktur, um selber anzubauen. Also einen Cannabis Social Club. Dies ist ein Modellprojekt, welches 2005 von der europäischen Organisation ENCOD vorgeschlagen wurde und vor allem in Spanien bereits ­erfolgreich umgesetzt wird.

Folgende Regeln sind dabei zu beachten:

⇒ Die ­Infrastruktur wird über Mitgliederbeiträge finanziert.

⇒ Anbau, Transport, Verteilung und ­Konsum werden kontrolliert.

⇒ Weitergabe an Aussenstehende ist nicht erlaubt.

⇒ Meist gibt es ein Clublokal mit Sitz­gelegenheiten, Unterhaltung und einer Bar, an der nichtalkoholische Getränke ­konsumiert werden können.

⇒ Der Anbau geschieht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Kontrolle in einem grösseren abgesicherten Anbauraum. ­Erfahrene Clubmitglieder kümmern sich um die Aufzucht der Pflanzen. Wer keinen grünen Daumen hat, hilft mit bei der Ernte, Lagerung, Verpackung und Verteilung.

Wäre ein solcher Ansatz möglich?

Betrachten wir den Entwurf der Verordnung, so wäre ein wissenschaftlich begleiteter Cannabis Social Club in einem sehr begrenzten Rahmen durchaus möglich.

Die Teilnehmenden müssten sich jedoch verpflichten, Versuchskaninchen zu spielen und sich wohl mehrmals einer medizi­nischen Untersuchung unterziehen.

Nicht alle könnten dabei mitmachen, da die ­Behörden wohl strenge Kriterien zur Teilnahme definieren. Beispielsweise ­dürften Personen mit einer psychischen Vorerkrankung nicht mitmachen.

Auch ­Interessierte, die beruflich Motor­fahrzeuge führen müssen, würden wohl ­ausgeschlossen.

Verein Legalize it! mit erstem legalem ­Cannabis Social Club?

Mitwirkende im Verein Legalize it! hätten das nötige Wissen und die Erfahrung, einen solchen Club zu betreiben. Dabei gäbe es viele spannende Fragestellungen, die wissenschaftlich im Rahmen eines ­solchen Pilotprojekts untersucht ­werden könnten:

Welche Auswirkungen hat der Zugang zu kontrolliertem Cannabis auf die Konsumierenden? Wie kann sich ein solcher Club ­finanzieren und ­organisieren? Wie sieht es mit der ­Akzeptanz eines solchen Modells in der Schweizer Bevölkerung aus? Können die Konsumierenden ­selber solche Clubs führen (Eigenverantwortung)? Kann eine positive Konsumkultur entwickelt ­werden (reflektierter Konsum)? Können die Konsumformen weniger schädlich ausgestaltet werden (Rauchen / Verdampfen / Essen)? Werden auch Hanf­sorten ­mit tieferem THC-Anteil akzeptiert?

Sollen wir so etwas anpacken?

Momentan ist es lediglich eine schöne Idee, die im Raum steht. Ein solches Projekt mit dem Verein Legalize it! als treibende Kraft wäre aber eine gute Möglichkeit, der ­Gesellschaft zu zeigen, dass es funktio­nierende Alternativen zur jetzigen ­Drogenpolitik gibt.

Was meinst du dazu?

Bitte gib uns eine Rückmeldung: Findest du das sinnvoll? Würdest du dich hierfür engagieren wollen?

Konkret müssten Mitglieder von uns auf ­interessierte Städte zugehen. Diese haben sich ja am hartnäckigsten für solche Versuche ausgesprochen. Mit diesen zusammen wäre eine Realisierung am ehesten umsetzbar. Denn das Gesuch für eine ­entsprechende Ausnahmebewilligung des BAG wird viel Arbeit erfordern: Es braucht ein umfassendes Studiendesign.

⇒ Zuerst muss nun die definitive Verordnung des Bundesrates erlassen werden. Bis dahin sollten wir uns überlegen, ob und wie wir einen Teilnahmeversuch angehen wollen.

thc_recht/li890405.txt · Zuletzt geändert: 2021/03/04 15:19 von sos

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