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Hanf, Kiffen, THC und die Gesetze zur Verfolgung von Cannabis

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Der steinige Weg zur Legalisierung

Herbst 2015: Medizinisches Cannabis wird immer salonfähiger, ganze Länder haben mit der Legalisierung begonnen. Aber hier bei uns geht es zurzeit gar nicht vorwärts. Im Gegenteil: Der Zoll hat eine kindliche Freude am Herausfischen von Hanfsamen.

Es ist nur eine Frage der Zeit. Wie viele Jahre oder Jahrzehnte das noch dauern wird, kann man nicht einschätzen. Wer hätte noch vor ein paar Jahren Colorado als Legalisierungsvorreiter gesehen? Um die Jahrtausendwende dachten viele, die Schweiz sei die grosse internationale Vorreiterin. Doch dann wurden innert ein paar Jahren alle Hanfläden geschlossen. Nein, niemand weiss, wann die Mehrheit der Bevölkerung ein Einsehen haben wird: Die Hanfrepression erreicht das Ziel der Abstinenz nicht, erzeugt aber eine Unmenge an Kosten.

Da könnte man sich auch die Frage stellen: Wieso ist es noch nicht legal? Natürlich gibt es so viele Antworten, wie es Menschen gibt. Wir alle haben schon ein paar davon gehört: «Die da oben wollen nicht aus … Gründen.» «Die Pharma-Lobby …» «Die Mächtigen, Reichen, die Politiker, Marsmenschen usw. …» Wir können nur spekulieren, weil wir den wahren Grund in der näheren Zukunft wahrscheinlich nicht herausfinden.

Klar ist nur: Es gibt zurzeit keine Mehrheit für eine Legalisierung von Hanf in der Schweiz. 2008 gab es eine Abstimmung, bei der die Legalisierung oder Regulierung bei den Stimmenden durchgefallen ist.

Cannabis – man kann es als Droge betrachten, als Heilmittel, als Entspannungsmittel; es kommt auf die Sichtweise an. In der letzten Zeit ist Hanf wieder öfter in den Medien vertreten. Es ist auch immer wieder erwiesen worden, dass es ein Heilmittel oder Linderungsmittel für alle möglichen Krankheiten und Gebrechen ist. Das kann man heutzutage nicht mehr bestreiten.

Und doch hört man immer wieder: «Es ist eine Einstiegsdroge», «Hanf macht süchtig, krank, dumm etc.». Lächerliche Propaganda, wir möchten uns damit nicht mehr befassen. Aber viele Leute glauben immer noch an diese Worthülsen, die einem grossen Repressionsapparat die Legitimität für die Verfolgung des Hanfes gibt.

Alle regelmässig Kiffenden oder Hanfbefürwortenden könnten sich eine Frage mal selber stellen: «Was kann ich tun, damit es wieder legal wird?». Alle Hanffreundlichen, all die SchmerzpatientInnen: Ihr seid eine Gruppe, die direkt vom Verbot betroffen ist. Bei den meisten ist das Interesse gross, dass sich etwas ändert. Die nächste Frage lautet dann: «Was kann ich tun, wie kann ich bewirken, dass sich etwas zum Besseren ändert?» Bei der heutigen repressiven Situation der Behörden kann man die Machtlosigkeit verstehen: «Sie sind zu mächtig, ich kann doch nichts machen!» Also will man nicht auffallen, wo möglich im Versteckten bleiben, was ja vollkommen verständlich ist.

Doch darf dann auch niemand erwarten, dass sich so in näherer Zukunft etwas ändern wird. Änderungen geschehen nicht von selber, sie werden von Menschen bewirkt, mit Druck auf die Politik, Unterschriftensammlungen, Demos und anderen Taten. In der Politik bewegt sich immerhin ein bisschen etwas. Es ist die Rede von Pilotversuchen zur Cannabisabgabe (mit Registrierung der Konsumierenden?, maximal 15% THC?, ohne Eigenanbau?), es wird über die eventuelle Möglichkeit von Cannabis Social Clubs (ohne Konsummöglichkeit?) debattiert usw. Aber ohne wirkliche Taten bleibt das leider nur Gerede. Viele Betroffene haben zu Recht das Vertrauen in die Politik und die Parteien verloren.

Eine weitere Art den Konsum von Cannabis zu betrachten, ist in Bezug auf die persönliche Freiheit: Ich darf konsumieren, was ich will. Dazu haben alle ihre persönliche Entscheidung zu treffen, was sie zu sich nehmen wollen oder auch nicht. Diese Freiheit war in Bezug auf Cannabis in der Schweiz bis 1952 vorhanden. Ab da wendete sich das Blatt. Eine Freiheit, ein Recht wurde uns genommen oder besser gesagt gestohlen. Heu­te, 2015, 63 Jahre später wird immer noch darum gekämpft, die gestohlene Freiheit für den Gebrauch der Hanfpflanze wieder zu erlangen.

Nun droht die Privatsphäre ganz verloren zu gehen – die letzten Reste, wo der Staat noch nicht eingegriffen hat, weil er es noch nicht konnte: Die elektronische Überwachung erobert immer mehr Lebensbereiche. Das Recht auf Privatsphäre und somit die Möglichkeit, auch Lebensstile zu leben, die der Mehrheit vielleicht fremd sind, wird Schritt um Schritt aufgegeben. Die neuen Überwachungsgesetze zeigen wohin die Reise gehen könnte. Und es wird schwierig sein, solche Freiheiten wieder zurück zu erkämpfen.

Die «Sicherheit» verdrängt die Freiheit immer mehr.

Aber wie gut sind denn diese Sicherheitsapparate, Polizeien, Staatsanwaltschaften und Gerichte? Leute fertigmachen wegen der Einfuhr von zehn Hanfsamen, das können sie. Für einen Wohnungseinbruch interessieren sie sich kaum mehr, aber zehntausende Menschen wegen Kiffens verzeigen und bestrafen, das nehmen sie ernst. Diese Apparate brauchen nicht mehr Rechte und Geld, sondern eine Reform: Sie sollen die Prioritäten hinterfragen und die persönlichen Freiheitsrechte ernst nehmen.

thc_recht/li710606.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/20 11:24 (Externe Bearbeitung)